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                                       JEANNE RIJ-ROUSSEAU

                                                    Über meine Arbeit

 

Ich bin in Frankreich geboren, in der Provinz Anjou, die durch ihre berühmten Weine weit bekannt ist. Der Duft des Weines an den sonneüberschienenen Hängen von Anjou und die arbeitenden Hände derer, die ihn gebaut, gepflegt und geerntet haben, sie sind es wohl, die Schaffenskraft und Schaffensfreude in meine Seele gesenkt.

 

In meiner Jugend liebte ich über alles Museen zu besuchen; ich verblieb oft lange -stundenlang vor den Werken der großen Meister. Und wenn ich auch bis zu einem gewissen Grad Eklektikerin bin, so habe ich doch oder vielleicht gerade deshalb eine ganz besondere Vorliebe für die Bildwerke Clouet's und für das wundervolle Gemälde "La Sainte Madeleine", von dem man vermutet, daß es vom schöpferischen Pinsel des gleichen Meisters gemalt sei wie die "Vierge de la Cathedrale des Moulins". -Erst nach zwölfjährigem Studium auf den verschiedensten Akademien, in den unterschiedlichsten Schulen und nach langem eigenem Suchen und Forschen entschloß ich mich als Resultat meines bisherigen Schaffens eine erste eigene Ausstellung zu veranstalten. Vorher hatte ich schon einzelne meiner Werke alljährlich regelmäßig im "Salon des Independents", im "Salon d' Automne" (dessen Mitglied ich bin) und endlich im Jahre 1925 zum ersten Male in den Tuilerien ausgestellt. Auf der Internationalen Ausstellung für Dekorative Kunst wurde mir die goldene Medaille verliehen.

 

In Belgien, in der Schweiz, in England und in Amerika wurden Werke von mir ausgestellt und einige meiner Bilder befinden sich in ausländischem Privatbesitz, andere in den verschiedenen Museen der Provinz, ein von mir selbst ausgeführter Teppich und mehrere Entwürfe in der Manufacture Nationale de Beauvais.

 

Die bedeutendsten der vielen Kunstkritiker, die über mein Schaffen geschrieben haben, betonen den logisch-konstruktiven Aufbau meiner Kompositionen, ihr starkes Belebtsein, die überquellende, stets fühlbare Freudigkeit, die schimmernde leuchtende Ausdruckskraft der Farben und daß ich besonders die Freude am Leben, am Kampf in meinen großen Kompositionen ("Die Ruderer", "Die Kämpfer", "Die Kavaliere", "Der Tennisspieler" und "Der Flieger") zum Ausdruck gebracht habe. "Der Lesende" wurde im Salon des Independants gefilmt und in allen Kinos in Paris in den "actualites" gebracht.

 

Guillaume Apollinaire, der bedeutende und leider zu früh verstorbene Kunstkritiker, hat gesagt und geschrieben, ich sei eine Sucherin. Dies ist wahr -doch jetzt bin ich am Verwirklichen.

 

Ich male voller Leidenschaft und stehe dann ganz im Banne meines Schaffens, nicht achtend der ablaufenden Stunden noch der dahineilenden Jahre, die mir vielleicht nicht einmal zu all den Werken, die ich noch schaffen möchte, Zeit lassen werden.

 

Doch wieviel könnte ich noch über meine Art zu malen sagen: Natürlich ist viel Handwerksmäßiges in der Malerei und dann -was das künstlerisch Beseelte, das innerste Wesen anbelangt, die mir eigene Art der Komposition, der Gestaltung, die Durchdringung, die Bezwingung des Stoffes durch Werte, Linien, Größen und Farben und ebenso wichtig als alles dies -oder vielleicht das Wichtigste von allem - die ganz sensible aufgelockerte Hingabe an den Augenblick, an die Gegenwart, das Malen der intensiven, der stärksten Kontraste unseres modernen Lebens, .das ist es, was ich erträume, erstrebe, was ich versuche nachgestaltend aus der Wirklichkeit herauszuholen -so gut es mir gelingen mag.

 

Paris, Februar 1929.

                                                                                                Rij Rousseau

Aus: Elga Kern. Führende Frauen Europas. Verlag Ernst Reinhardt München 1930, S.127-129

With a personal dedication of Elga Kern. Heidelberg, November 1929.

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