Home
Photo
Autobiography
Biography
About her
Friends
Golden section
Gallery 1
2
3
Contact
Impressum

Jeanne Caffier  (Künstlername Rij Rousseau)

1870-1956

 

Jeanne wurde 1870 in Candé, einer kleinen Stadt im Département  Maine–et–Loir (Westfrankreich) als Tochter einer bescheidenen Bauernfamilie geboren. Sie war die letzte von sieben Kindern und verließ mit 14 Jahren für immer ihre Familie, ohne dass irgendein Dokument ihre Motive belegen könnte. Es werden wohl die Armut und der Reiz der Großstadt gewesen sein, die diese kleine, rothaarige junge Frau mit den funkelnden Augen und der üppigen  Figur nach Paris hingezogen haben.

 

Wir finden Jeanne 1890 in Saint-Ouen wieder, damals noch der östliche Teil vom „Butte Montmartre“; sie verkehrt mit den Malern der „Ile de la Grande Jatte“, trifft sich mit ihnen in den „guinguettes“, diesen kleinen volkstümlichen Ausflugslokalen, die von den Impressionisten in so lebendigen Bildern verewigt wurden.

Siebzig Jahre lang blieb Paris für Rij Rousseau der große Anziehungspunkt und Jeanne findet man in allen möglichen Künstlergruppen: Nabis, Kubisten, Surrealisten – diese Zeit strebt nach neuen Ideen und Konzepten, ob im wissenschaftlichen, literarischen oder bildlichen Bereich .

 

1900 heiratete Jeanne einen 18 Jahre älteren Weinhändler, Rousseau, und über diese Zeit sollte sie später schreiben: “Alles, was ich vor dem Tod meines Mannes geschrieben habe, habe ich vernichtet. Es waren Worte der Anfangsjahre, die zu viel Emotionales enthielten.“ Dennoch wissen wir durch Zeugenaussagen, dass  Jeanne mit 30 Jahren – von materiellen Sorgen verschont – Geometrie-, Zeichen- und Geschichtsunterricht nimmt.

 

Sie lernt Paul Sérusier, dann Roussel, Vuillard und Maurice Denis kennen, von dem sie sagte: „Er hat mir mein erstes Bild gekauft“. Dank dieser renommierten Maler erlernt sie den Malerberuf: sie trifft Paul Signac, studiert Chevreuls Gesetze durch die Texte von Rood; Sérusier widmet ihr die „Ästhetik“ von Beuron; von ihm und von seinen empfohlenen Lektüren übernimmt sie die Ideen über die Zusammenhänge zwischen Musik und Malerei.

Mit ihrem lebhaften und herzlichen Wesen geht Jeanne viele Freundschaften ein. Montmartre ist der ideale Treffpunkt für Künstler aus aller Welt. Da trifft sie auch einen jungen Spanier, der – so sagt man – kaum Französisch spricht; er lebt alleine und zeichnet für illustrierte Zeitschriften: Juan Gris. Jeanne empfindet für ihn „ganz besondere Gefühle“. Von da an beginnt eine innige Freundschaft, die das ganze Leben von Rij Rousseau beherrschen wird.

1907 lehrt Jeanne selbst Zeichnen und kann damit einen ihrer ehrgeizigen Pläne verwirklichen. Jedoch nimmt sie selber weiterhin Unterricht: wir finden sie im Naturkundemuseum, in den Museen, überall, wo sie die Gelegenheit findet, etwas zu lernen. Sie ist in das Atelier von Sérusier und in die Academie Ranson eingetreten; mit Sérusier wird sie auch in Saint-Jean du Faou (Bretagne) in einem alten, Gauguin zugesprochenen, Atelier arbeiten.

 

1910 lernt sie Fernand Léger und den Bildhauer Manolo kennen.  Manolo und sie organisieren  eine gemeinsame Ausstellung in einer Kneipe von Mont-Rouge. Sie freundet sich  auch mit René, und später, Jules Allain an. Diesen wohl wichtigen Mann der Politik wird Jeanne oft um Vermittlungen bitten. 1911 fährt sie nach Céret in den Pyrénées-Orientales, wo sie Manolo und Kisling trifft; dann unternimmt sie eine große Italienreise; sie ist immer noch die verheiratete, ungebundene, herzliche Freundin. Allain ist auch der Freund ihres Mannes, Rousseaus geworden.

Im selben Jahr stellt sie im „Salon des Indépendants“ aus, wo sie auch Luce kennen lernt. 1913 geht sie wieder nach Céret, wo sie drei Monate mit Juan Gris verbringt. Nach ihrer Rückkehr trifft sie zum ersten Mal Loiseau, Rechtsanwalt und Künstlerfreund;  er wohnt in Montigny/Loing, kommt aber jede Woche nach Paris und verweilt im Viertel Montparnasse, wo nun auch alle Maler zu finden sind. Auch Jeanne zieht in dieses Viertel. Im Sommer 1914 organisiert Jeanne Rousseau eine große Ausstellung ihrer Werke in Deutschland. 80 Bilder, von denen jegliche Spur fehlt, sollen dort geblieben sein. Mitten im Krieg stirbt ihr Mann.

 

1917 unternimmt Jeanne eine neue Reise nach Süden und unterbricht sie in Loches, wo sie sich eine Zeit lang aufhält und versucht die Freundschaft mit Juan Gris neu zu beleben. 1918 kommt Loiseau aus dem Krieg zurück und es ist für Jeanne der Anfang einer großen Liebe, die man in allen ihren Schriften wiederfindet; ihre Briefe an Loiseau sind Briefe eines verliebten Mädchens. Jeanne ist fast 50 Jahre alt aber noch sehr hübsch. Sie wird Loiseau 1922 heiraten.

 

Es wäre zu lang alle berühmten Namen aufzuzählen, die man in ihren „carnets“ (Notiz-Büchlein) finden kann: Apollinaire, der sie „die Suchende“ (la chercheuse) nennt, Max Jacob, den sie in der „Closerie des lilas“ trifft, Braque, den sie als Sérusiers Schüler kennen lernt, Blaise Cendrars, dessen erstes Buch sie erwirbt, Roland d’Orgelès, Paul Fort, Paul Follot, den renommierten Dekorateur, Le Corbusier, mit dem sie in der „Section d’Or“ arbeitet, Pascin, Metzinger, Céria und Despiau; ihre Mahlzeiten nimmt sie bei „Jouvet et Baty“ein. Juan Gris stellt sie Picasso vor und  in dem Haus Nr.11, Boulevard de Clichy wird sie die Nachbarin des berühmten Malers; mit Michel Georges Michel trinkt sie in „La Rotonde“ „le café-crème des jours fauchés“ (den kleinen Kaffee der blanken Tage). Im „Jockey“, Boulevard Montparnasse, ist sie dabei, als die  schon angesehene Comtesse de Noailles  Verse deklamiert.

 

Sie dekoriert eine Säule , die man heute noch bewundern kann, im namhaften Café„La Coupole“.

1920 erlebt  Rij mit Jeanne Léger das Drama der Familie Modigliani. Sie schreibt:“Welche Armut herrscht bei ihnen!“; sie ist diejenige, die ein Leichentuch besorgt, um den in Elend gestorbenen Maler zu begraben. 24 Stunden später wird sich übrigens Jeanne Hébuterne, seine junge Frau, aus Verzweiflung aus dem Fenster stürzen.

 

Aber Loiseaus Einkommen ist geringer geworden; das Leben wird schwieriger, sie muss verkaufen. Doch haben 1924 Rij Rousseaus farbig sehr  gewagte Werke im Salon des Tuileries  für einen Skandal gesorgt. Ihr Freund André Salmon versucht ihr zu helfen und schreibt: “Im Salon des Tuileries erschraken die feinsten  und vornehmsten Vermittler über die Farben von Madame Rij Rousseau. Als ob diese Farben das Holzdach des stolzen Palastes anzünden könnten! Wären sie besser informiert und sensibler gewesen, hätten sie eher befürchten müssen, die Kühnheit ihrer Zeichnungen hätte das Holz zum Knirschen gebracht. Niemand hat mit mehr Bescheidenheit und Fleiß daran gearbeitet, die Geheimnisse der Form zu durchdringen als diese Malerin...“

Jeanne Rij Rousseau wird am Ende ihres Lebens schwierige Jahre verbringen, aber in ihrer letzten Pariser Wohnung, Nr.29, rue des Favorites, wird sie die Erinnerung an eine  diskrete und bescheidene, zur Ruhe gekommene Frau hinterlassen, auch wenn sie natürlich ein Sonderling geblieben ist.

 

„Ich habe mir ein Künstlerleben gewünscht; ich lebe es nun, dieses schmerzhafte, meistens enttäuschende Leben; bis jetzt waren es nur Hoffnungen und Enttäuschungen... immer häufiger träume ich von einem wohltuenden Rückzug, von einer Ruhe, die ich wohl verdient habe; denn, auch wenn ich nichts verkauft habe – ich habe gut gearbeitet“.

Und in ihren letzten Seiten, die sie wahrscheinlich in Savigny/Braye schrieb, schließt sie: „Man sollte älter werden können ohne dabei das Lächeln zu verlieren.“

 

Aus: Jeanne Rij Rousseau. Katalog der Ausstellung im Schloß von Blois. 6.-29.06.1959.   S.9-11.

Übersetzung: Marie-Françoise Raoult

[Home] [Photo] [Autobiography] [Biography] [About her] [Friends] [Golden section] [Gallery 1] [] [] [ ] [Contact] [Impressum]