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                                         Rij Rousseau, vergessene Kubistin

 

In der gigantischen Überflutung der modernen Malerei kann es ziemlich häufig passieren, dass wirklich gute Künstler verloren gehen. Die Zeit, der Zufall bringen sie wieder allmählich an den Tag. So auch bei Rij Rousseau. In den Jahren 1920-1930 war sie ziemlich bekannt; man fand sie im „Grapouillot“ und im „Art vivant“ vertreten. Aber sie hatte nicht den Ehrgeiz zu verkaufen, und als die Mode des Kubismus – der sie folgte – vorbei war, kamen ihre Werke in Vergessenheit.

 

Im Rahmen ihrer Forschungen nach technischen und psychosozialen Ursachen der Kunst stellen die Herren Dr.Sutter und Guy Pogu (Technologe) in der Galerie de l’Institut eine Retrospektive ihres Werkes vor. Ihre Bilder, aber auch zahlreiche Dokumente, Zeitschriften, Briefe von anderen Künstlern erinnern an das Leben und die Tätigkeit der Malerin Rij Rousseau, die mit sehr berühmten Persönlichkeiten ihrer Zeit eng verbunden war: Juan Gris, Maurice Denis, Fénéon – und die, wie auch Marie Laurencin, als eine Muse („égérie“) des Kubismus betrachtet werden kann.

 

Im Jahre 1870 geboren und aus sehr einfachen Verhältnissen stammend hatte diese temperamentvolle Frau ein bewegtes Leben und war eine erstaunliche intellektuelle Persönlichkeit, die sich aus eigenem Antrieb eine ausgezeichnete Bildung aneignete und sich eine ästhetische Lehre, den „Vibrismus“ (fr= vibrisme) erarbeitete, bevor sie überhaupt anfing zu malen. Das Erstaunlichste ist aber, dass sie es erreichte ein originelles Werk zu schaffen, das zwar manchmal Schwächen aufwies, das aber in einigen Perioden von einem unbestrittenen Glanz und einer starken plastischen Kraft gezeichnet war.

 

Nach ersten kubistischen Versuchen gegen 1907-1910, die man bei Juan Gris in ähnlicher Weise findet - sie scheint ihn in diesen Jahren sehr beeinflusst zu haben – schaffte sie in den folgenden Jahren 1910-1912 eine Reihe von bemerkenswerten Stillleben. Die durch Dreiecke produzierte Stilisierung und der Reichtum der kontrastierenden und leuchtenden Farben geben ihren Werken eine sinnliche, tiefreichende Schönheit. Manchmal erinnert sie an Metzinger oder Marcoussis, übertrifft sie aber deutlich, was Intensität und Emotion angeht.

 

Ein Teil ihres Werkes ist in dieser Ausstellung nicht zu sehen; es sind die großformatigen Kompositionen mit Personen. Es wäre jetzt interessant sie wieder zu sehen. Rij Rousseau verdient nicht die Vergessenheit, in die sie geraten ist; sie ist, in dieser feurigen, glühenden Generation des beginnenden 20. Jahrhunderts eine der Malerpersönlichkeiten, die uns am meisten interessieren dürften.

 

Quelle: „Le journal régional“ (26.März – 1.April 1958)

Artikel von Raymond Charmet über die Ausstellung: “Rij Rousseau. Causes et conditions du cubisme” in der “Galerie de l’Institut”, 6, rue de Seine, vom 20. März bis zum 10.April 1958.

Übersetzung: Marie-Francoise Raoult

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