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Einleitung

Jahrtausende lang wurden den Völkern Stilrichtungen in der Kunst von den Mächtigen vorgeschrieben.  Das ästhetische Empfinden wurde von der Regierung festgelegt. Der Fürst  wählte unter verschiedenen künstlerischen Produktionen und zwang seinen eigenen Geschmack auf. Die Kirche, das Königtum handelten ebenso. Einer der letzten absoluten Herrscher, Napoleon, zwang seinen Stil mit aller Macht auf.

Die demokratische Ära hat alles geändert. Das ästhetische Empfinden ist Ausdruck der Masse geworden. Die Wahl, die Gunst des Publikums kommen über dunkle, geheimnisvolle Wege. Alles ist Sache der Psychosoziologie geworden. Die Rolle der Künstler – und im Besonderen der Maler – ist nun der Hauptfaktor für den Erfolg und die Verbreitung einer zeiteigenen Ästhetik.

Die Rolle der Nabis bei der Erschaffung des Stils 1900 wurde maßgebend. Dieser Stil wurde von den Massen so gut angenommen, dass er 40 Jahre lang alle Versuche, ihn zu verdrängen, scheitern ließ.

Lange Zeit glaubte man, dass der Kubismus neue Formen erzwingen würde. Aber es geschah nicht und der Misserfolg der „Arts déco“ in den zwanziger Jahren ist bei allen noch in Erinnerung. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Stil der Jahrhundertwende über den Umweg des Surrealismus zu Ende ging.

Nach und nach setzte sich eine besondere Sichtweise in der Bevölkerung durch: das Wahrnehmen von zusammengesetzten Gegenständen, das durch das vermehrte Aufkommen von gestalteten Schaufenstern geschärft wurde. Die abstrakte Kunst wurde schließlich der große Gewinner der neuen Ästhetik, aber der Kubismus ist auf jeden Fall der Grundstein des Bauwerks. Hausgeräte, Autos, Hochhäuser bleiben zum Beispiel die Bereiche seines eigenen Ausdrucks.

Die heutige Entwicklung der sozialen Ästhetik erfordert große Aufmerksamkeit, um verstanden zu werden. Meinungsforschungen fangen gerade an, sich für dieses Problem zu interessieren. Die Psychosoziologie kann in diesem nicht erforschten Gebiet viel gewinnen.

Zahlreiche Aspekte müssen geklärt werden, bevor man diese Entwicklung wissenschaftlich untersuchen kann. Einer von diesen Aspekten ist die Denkweise der Maler, die es gilt, kennen zu lernen. Deshalb sind für uns die Forschungsarbeiten einer Suchenden wie Rij Rousseau von großem Interesse und können uns weiterhelfen.

Sie hat mit den Theoretikern von Pont-Aven, Sérusier und Maurice Denis gelebt und diskutiert; sie hat den Vibrismus gegründet und an der Schaffung des Kubismus aktiv mitgearbeitet. Aus allen diesen Diskussionen und diesen Versuchen ist ein originelles Werk entstanden, das man  als „experimentell“ bezeichnen kann und das die Techniker der Malerei und ihre Liebhaber zum Nachdenken bringen wird.

 

Jean Sutter. Introduction. In: Rij Rousseau. Egérie du Cubisme. Le Vibrisme. 1958, S.3-4

Übersetzung : Marie-Françoise Raoult

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